Neckarsulm
Posaunengruppe der Musikschule
taucht ab
Von Rolf Muth
Untergetaucht.
Na, so schlecht spielt die
Posaunengruppe der Neckarsulmer
Musikschule doch nicht,dass sie
dafür ins Wasser gehen muss?
Keineswegs:
Das beweisen die fünf Herrn mit
ihren Posaunen zunächst auf der
Empore im FreizeitbadAquatoll. Von
hier oben bieten sie den Zuhörern,
die sich unten gemütlich im Wasser
räkeln,stimmungsvolle,
vorweihnachtliche Blasmusik. Zwar
gehen alle Töne, die unter
fortissimo (sehr laut) angesiedelt
sind, mit dem Schwall des
Wildwasserkanals den Bach hinab. Das
macht aber nichts.
Figurbetont
Entschädigt werden die Badegäste
allein schon durch die rot-weiß
gestreifte, äußerst figurbetonte
Badegarderobe des außergewöhnlichen
Ensembles. Und vor allem steht ihnen
noch ein ganz besonderer Spaß bevor.
Musiklehrer Benno Reinhard und seine
vier Posaunisten Maximilian Christ,
Robin Gröner, Julian Schmitzer und
Jochen Teschner werden abtauchen -
mit ihren Instrumenten. Und sie
wollen unter Wasser spielen. Eine
Schnapsidee?
„Kann das
wirklich funktionieren?“, fragt sich
Gerd Stahl. Der Badegast aus
Heilbronn hat Zweifel. „Ich finde
das ausgezeichnet“, freut sich
hingegen Norbert von Heesen aus
Neckarsulm auf den Gag. Nur deshalb
ist er heute ins Aquatoll gekommen.
Mit seinem Sohn Jakob, der seit
September Posaune spielt. Ob er wohl
künftig in der Badewanne probt?
„Wenn er das will, dann soll er’s
tun“, sieht der Papa den Dingen
gelassen entgegen. Schwimmbrille
aufgesetzt, die Nasenklammer
zurechtgerückt, tief Luft geholt,
los geht’s: Fünf große Blasen
steigen auf. Die Musik hat begonnen.
Das Wasser dämmt den Schall komplett
ab. Kassenleiterin Petra Siewert
hält ein Mikrofon ins Wasser. Ein
dumpfer Ton ist über eine Box zu
hören. Improvisiert eben. „Wir haben
Gefrierbeutel übers Mikro gezogen.“
Jutta Bioneck (Kasse) und die
Musikschullehrerin Rita Sitte
lauschen ganz gespannt. Tatsächlich,
leise Musik könnte da schon gewesen
sein. Das will der 13-jährige Jan
Knödler aus Heilbronn nun doch genau
wissen. Er gesellt sich zu den
Musikern unter die Wasseroberfläche,
die immer wieder mal auftauchen, um
kurz nach Luft zu schnappen. „Das
ist echt witzig“, strahlt Jan nach
dem ungewöhnlichen Hörtest. „Je
näher man kommt, desto besser hört
man die Melodie.“ Das wollen
natürlich noch mehr Kinder, Mütter
und Väter wissen, die die kleine
Combo nach und nach einkreisen -
passend zur Melodie: „Ihr Kinderlein
kommet.“
Martin
Schmitzer grinst übers ganze
Gesicht. Sein Sohn ist mit da unten.
Sorge ums teure Instrument macht er
sich nicht. „Das wird zuhause auch
mit Wasser gereinigt.“
Partygag
„Richtig“, sagt Lehrer Reinhard, als
er aus dem Wasser steigt. Die
Posaunen werden zuhause in der Tat
auch in der Badewanne durchgespült.
Die Idee hat er seinem ehemaligen
Musikprofessor geklaut. Der hatte
vor 15 Jahren mit dieser Aktion bei
„Wetten dass“ gepunktet. Benno
Reinhard strahlt: „Für uns war es
auf jeden Fall ein tolles Erlebnis.“
Einmalig? „Mal sehn - vielleicht
lassen wir uns künftig als Partygag
auch von anderen Bädern engagieren.“